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Ritualisierter Protest - Das Ende von NOWKR

Die alljährlichen Proteste gegen den WKR-Ball sind spätestens seit 2012 das Event des Jahres für die antifaschistische Linke. Sie haben das möglich gemacht, was in Österreich schon seit Jahrzehnten ausständig war. Endlich wurde die Kritik am miserablen Umgang mit der eigenen nazistischen Vergangenheit auf die Straße getragen. Kontinuitäten rechtsextremen Gedankenguts in Burschenschaften und Parteien konnten dadurch offen verhandelt werden. Die Proteste waren erfolgreich. Ein „schöner Ballabend“ wurde für manche zur Katastrophe, Besucher_innen mussten sich vor Kameras und Demonstrant_innen rechtfertigen, sie wurden beobachtet und viele entschieden sich, dem Ball fernzubleiben. Obwohl sie das keine Stimme gekostet haben mag, hat sich die FPÖ klar für ihren extrem rechten und deutschnationalen Flügel positionieren müssen, indem sie 2013 – nach dem Rauswurf des WKR aus der Hofburg – die Anmeldung des Wiener Akademikerballs übernahm.

In der öffentlichen Debatte wurden der Ball und die Proteste immer mehr zu einem Spektakel zwischen „Links“ und „Rechts“. Von außen wurde der Ball ritualisiert: Eine konsequente Kritik an der sich rechts positionierenden Staatsgewalt seitens Politik oder Zivilgesellschaft blieb aus. Zu groß war die Angst vor den schwarz-vermummten Gestalten, die in den Köpfen der Menschen mehr in Unordnung brachten als sie es in Realität je vermochten. Von der 2014 entfachten Debatte um strukturelle Gewalt und aktionistische Militanz profitierten eher die bereits Aktiven, als dass andere Menschen aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht wären.

Auch für die Linke wurde das letzte Jännerwochenende zum Ritual. Jahr für Jahr hieß es: Monatelange Kampagnenarbeit für Organisator_innen und verpflichtendes Demospektakel für alle, die sich Antifaschist_in nannten. Der diesjährige Ballabend hat jedoch gezeigt, dass sich das Lernpotential in diesen Formen erschöpfen kann. Auch die staatliche Repression wurde immer massiver. Josef, der ein halbes Jahr in Untersuchungshaft saß, steht sinnbildlich für den Preis, den viele Antifaschist_innen für ihr Engagement zahlen mussten.

Das NOWKR-Bündnis aufzulösen war auch deshalb ein richtiger und notwendiger Schritt.

Die Auflösung eines Teiles der organisierten Proteste bedeutet jedoch nicht ihre Niederlage, schon gar nicht einen Rückzug in warme Nester. Es ist ein Schritt gegen die Ritualisierung und schafft Raum für Selbstreflexion. Aus dieser sollen jetzt Mut und Kreativität geschöpft werden, um den vielen Problemen von heute und morgen zu begegnen.

Vieles drängt: Die Aktionsformen der „Neuen Rechten“ lassen die Antifa-Strategien der Straße und der direkten Konfrontation alt aussehen. Diese sind zum erwünschten Teil des angenehmen Spektakels geworden. Die voranschreitende Re-Nationalisierung in Europa schreit nach Interventionen, die über ein alljährliches Treffen in Frankfurt hinausgehen. Die Ankunft von Geflüchteten verlangt, essentielle reproduktive Arbeit mit politischer Praxis auf Augenhöhe zu verbinden. Feministische Kritik steht nach Köln vor der Herausforderung, verschiedene emanzipative Kämpfe, die vermeintlich im Widerspruch zueinander stehen, miteinander zu verbinden. Für Wien bedeutet das, Energien zu bündeln, sich weiterzubilden, notwendige Konflikte solidarisch auszutragen. Dafür braucht es gemeinsame Räume für Politisierung und Begegnung. Differenzen sollen dabei nicht verwischt, sondern es soll über sie gestritten werden. Das gemeinsame Projekt Zukunft muss und darf keine abgeschlossene Utopie sein und auch keine Massenbewegung, die von Yanis Varoufakis angeführt wird. Eine allein negative Bestimmung des Falschen reicht gerade jetzt aber nicht aus.


online seit 06.06.2016 16:28:44 (Printausgabe 74)
autorIn und feedback : Laurin Lorenz, Volkan Ağar




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