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In Räumen träumen, statt Träume räumen Zur Neuformierung der HausbesetzerInnenbewegung in Österreich Seit knapp 5 Jahren formiert sich innerhalb der österreichischen Grenzen langsam aber kontinuierlich wieder eine aktive HausbesetzerInnenbewegung, nachdem sie in den 1990er Jahren vollkommen eingeschlafen war. Besetzungen in Innsbruck, Wien, Salzburg, Klagenfurt, Graz und Linz haben seitdem wechselseitig als Inspiration und Anregung gedient und nun im Rahmen der internationalen Aktionstage einen Höhepunkt mit vier gleichzeitigen Besetzungen erreicht. In relativ kurzer Zeit wurden große Erfolge erzielt. In Folge der Minattihallen-Besetzung in Innsbruck wurde die PMK geschaffen. Temporäre Nutzungen des Bomba Clab in Klagenfurt, der alten Arge in Salzburg und des Wagenplatzes in Wien waren ebenfalls möglich. In Wien wurde nicht nur das EKH verteidigt, sondern der Stadt auch ein Haus als Ersatz für die Pankahyttn abgerungen. In Graz haben die Besetzungen des letzten Jahres der neuen schwarz/grünen Koalition ein klares Bekenntnis zur „Schaffung eines offenen, selbstverwalteten Kulturzentrums“ abverlangt und für die aktuelle Besetzung „A-Z“ in der Annenstraße 3 gibt es zunächst einmal einen einmonatigen Räumungsaufschub. Abgesehen von diesen offensichtlichen Erfolgen wirken die Hausbesetzungen auch als Katalysator für andere Entwicklungen. So sind in den letzten Jahren auch zahlreiche Strukturen geschaffen worden, die nicht direkt aus Besetzungen erwachsenen sind, wie z.B. der Wagenplatz, mehrere Kost-Nix-Läden oder die i:da. Die politischen Kämpfe und Selbstorganisation setzen aber auch Lern- und Selbstreflexionsprozesse in Gang, die stark von einem antihierarchischen und antisexistischen Anspruch getragen werden. So ist zum Beispiel die Selbstkritik im Bezug auf patriarchale Dominanz bei der Entscheidungsfindung ein Dauerbrenner. Veränderungen sollten daher nicht nur an abstrakten Politikformen und materiellen Strukturen gemessen werden, denn alle in solche Prozesse verwickelten Menschen verändern ihre Umgangsformen und Denkmuster – zumindest ein wenig. Aus dem System über es hinaus? Raumaneignung und Selbstverwaltung tragen das Potenzial in sich, über die Verbesserung der eigenen Lebensbedingungen hinaus auch auf die Überwindung der gesellschaftlichen Totalität zu zielen. All zu oft stellen diese beiden Ansätze nämlich einen unvereinbaren Widerspruch dar: Wenn es um die Verbesserung der eigenen Lebensbedingungen geht, so ist häufig die Kritik angebracht, dass diese Versuche systemimmanent bleiben und kapitalistische Verhältnisse legitimieren. Umgekehrt führt der radikale Anspruch der Systemüberwindung leicht dazu, sich von den eigenen Wünschen und Bedürfnissen zu entfremden und ausschließlich abstrakte Politik oder Theorie zu betreiben. Die geldlose Aneignung von Raum und anderen Ressourcen reduziert kurzfristig den Druck auf die Individuen und/oder Projekte, sich zu verwerten und Geld zu verdienen. Es schafft so Freiräume für nicht kommerzielle Ziele. Langfristig ist die Überwindung der Verhältnisse nur durch solche Aneignungen, die Ressourcen aus dem Verwertungsprozess des Kapitals herauslösen, denkbar, da der Kauf immer auch den Zwang zur Selbstverwertung schafft und somit der Durchsetzung eines libertären Kommunismus in Form von geld- und tauschfreier Kooperation entgegensteht. Widersprüche & Gefahren Keine Besetzung oder sonstige Aneignung ist natürlich gefeit vor der kommerziellen Nutzung, z.B. als reine Partylocation. Selbst wenn eine klareAbsicht besteht, die angeeigneten Ressourcen selbstkritisch, kollektiv, basisdemokratisch, geldund tauschlos zu verwenden, bleibt der Druck der Selbstverwertung im Bezug auf andere Ressourcen und das eigene Leben aufrecht, und das führt leicht zur unbewussten und schleichenden Kommerzialisierung. Damit steht die Bewegung immer im Spannungsfeld zwischen Veränderung und Anpassung. Gerade durch die überdurchschnittlich brutale Räumung in Wien im Zuge der Aktionstage, zeigt sich auch wieder klar die Gefahr einer Einschüchterung durch Gewalt und Repression. Hier wird es sicher darauf ankommen, kreative Umgänge damit zu finden und vor allem den betroffenen Personen psychischen, monetären und juristischen Rückhalt sowie Unterstützung zu bieten. Eine weitere Gefahr liegt in der engen Verbindung von Freiräumen mit einer oberflächlichen Szeneidentität. Dem langsamen Wachstum der Bewegung entspricht eine gewisse Ausdehnung dieser kollektiven Identität. Ob die Bewegung in den nächsten Jahren weiter an Stärke gewinnen kann, hängt auch von der Frage ab, ob es gelingt, die inhaltlichen Ansprüche nach Selbstbestimmung über diese identitären Begrenzungen hinweg zu vermitteln. P.S. Die jüngste Aktion im Kontext der Freiraumbewegung war die Besetzung ungenützter Grundstücke der Seyringerstraße 7, 9, 11 und 13 in Wien "Brachmühle" am Pfingstwochenende. Laut einer Aussendung der BesetzerInnen wird diese Fläche teilweise seit mehr als 8 Jahren nicht genutzt und wurde von der Stadt dem Verfall preisgegeben. Die BesetzerInnen streben ein selbstverwaltetes und offenes Projekt an. Einige ihrer Ideen zur Nutzung des Geländes: 1) Ökologisch, biologischer Permakulturgarten 2) Grüne Oase inmitten der Betonwüste 3) Selbstverwaltetes Wohnprojekt 4) Gemeinschaftliche Kindertagesstätte 5) Künstlerische Freiflächen 6) Unabhängiges Medienzentrum 7) Ort für Ausstellungen, Aufführungen, Bildungsprojekte und vieles mehr 8) Ort für offenen kulturellen Austausch – frei von Rassismus, Sexismus und Homophobie online seit 09.05.2008 13:34:18 (Printausgabe 41) autorIn und feedback : Arno Uhl Links zum Artikel:
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Mao Made in Austria Als die Kulturrevolution bis nach Österreich kam [18.08.2008,Felix Wemheuer] Wider die Beharrungskräfte Taugt die Theorie des Soziologen Pierre Bourdieu für linke Herrschaftskritik? Ein Sammelband lässt keinen Zweifel. [04.08.2008,Jens Kastner] Stop now , what‘s that sound Ein Gespräch mit Simone Dinah Hartmann, Mitherausgeberin eines neuen Iran-Buchs und Sprecherin der Plattform "Stop the bomb", die im Mai eine Konferenz über „Die iranische Bedrohung“ veranstaltet hat. [30.07.2008,Interview: Ingo Lauggas] die vorigen 3 Einträge ... die nächsten 3 Einträge ... |
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