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  Feministische Ökonomie #2

Gender-Ungleichheit in einer ­multipolaren Welt

In der letzten Kolumne haben wir kurz skizziert, was eigentlich mit „feministischer Ökonomie“ gemeint ist: Widerstand gegen reale globale Ungleichheiten zwischen Geschlechtern und Klassen, basierend auf Imperialismus, Kapitalismus und Patriarchat, sowie Widerspruch gegen die neoliberale und androzentrische diskursive Hegemonie in den Wirtschaftswissenschaften.

Heute soll es um die akademische Organisation der feministischen Ökonomie gehen. IAFFE, die Internationale Vereinigung für feministische Ökonomie, wurde 1990 in den USA gegründet. Heute hat IAFFE rund 600 Mitglieder aus 64 Ländern, einmal im Jahr findet eine internationale Konferenz an einer anderen Universität abwechselnd in den USA, Europa oder einem Ort außerhalb dieser Zentren statt. 2017 war die 26. IAFFE Konferenz an der Sungshin University in Seoul, Südkorea, eingeladen.

Die IAFFE Konferenz versteht sich u. a. als öffentlichkeitswirksame Plattform für die Stimmen und Anliegen der lokalen Organisatorinnen*: So beschäftigten sich die Plenarvorträge von Aesil Kim und Yoon-ja Kim mit der sozio-ökonomischen Gegenwart in der Republik Korea, dem Musterland der neoliberalen Technologisierung, Modernisierung und des ökonomischen Aufschwungs. Korea ist an der Weltspitze im internationalen Handel und auf Platz 20 beim Wirtschaftswachstum. Doch seit einigen Jahren ist das Wirtschaftswunder ins Stocken geraten: Industrien wandern ins Billiglohnland China ab, Einkommen stagnieren und die Arbeitslosigkeit ist besonders bei jungen Universitätsabsolvent*innen hoch. Aus Sicht der feministischen Ökonomie besonders alarmierend ist das Care-Desaster, das sich in Korea auftut: Die Bevölkerung schrumpft bei der weltweit niedrigsten Fertilitätsrate von 1,1%, gleichzeitig altert die Bevölkerung am schnellsten. Die Hälfte der älteren Menschen lebt in relativer Armut und völlig isoliert von Familie, Freundschaftsnetzwerken und öffentlichen Communitys, ihre Selbstmordrate ist die höchste der Welt. Von staatlicher Seite werden nur 10% des OECD Durchschnitts für die ältere Bevölkerung ausgegeben. Yunjeong Yang beschreibt dieses Phänomen als versagendes Care-System, wo weder private, kommunale, staatliche oder marktwirtschaftliche Mechanismen ältere Menschen unterstützen. Aesil Kim macht als Hauptursache für das Problem die ausgebliebenen Veränderungen in den auch für Besucherinnen* spürbaren Geschlechterhierarchien in Korea aus: Korea weist den größten Gender Pay Gap als auch die undurchdringbarste gläserne Decke aller OECD Länder auf, die Beschäftigungsquote von Frauen* liegt 2016 bei nur 58% (zum Vergleich Österreich: 72%).

Literaturtipp:
aep information – Feministische Zeitschrift für Politik und Gesellschaft: Wirtschaftspolitik – auf wessen Kosten? Feministische Perspektiven zu Ökonomie. Nr 3/2017
In Universitäten, Politik und Wirtschaft unerhört, arbeiten feministisch-politische Ökonominnen an der Kritik eines Systems, das Frauen und andere zur buchstäblichen Untergebenheit verurteilte Menschen ausbeutet. Mit 20 Beiträgen u.v.a. von Silvia Federici, Mascha Madörin, Christa Wichterich, Gabriele Michalitsch, Elisabeth Klatzer, Käthe Knittler.

online seit 19.02.2018 10:41:12 (Printausgabe 80)
autorIn und feedback : Karin Schönpflug




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