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  DUSCHEN UND KIFFEN

FLIESEN IM GESICHT

Neulich ist mir der Aschenbecher im Bett umgefallen. Das stank und alles war voll ekliger Asche. Weil ich kiffte, war mir nicht danach, die Sauerei wegzumachen. Ich dachte stattdessen nach.

Ich habe mir Folgendes vorgestellt: Ich lag in der Dusche. Das war recht unbequem. Kein Platz für die Arme, geschweige denn die Beine, den Kopf auf die Brust gepresst. Ich verstand plötzlich, warum Betten größer als 70 mal 90 Zentimeter sind, und ich war froh. Erstens darüber, dass Betten ausreichend groß sind, um in unterschiedlichen Positionen oder, wenn die Sinne danach stehen, mit mehreren Menschen darin liegen zu können, zweitens darüber, dass ich nicht in der Dusche lag, sondern im Bett, auch wenn es ein Aschenbett war.
Und hatte doch, deshalb wohl, die Vorstellung, in der Dusche zu liegen gewisse Vorzüge. Der offensichtlichste: Kiffen wäre viel einfacher. Wer gern im Bett kifft, dürfte vertraut sein mit den Unbillen, die dies mit sich bringt. Da ist nicht nur der ständig mit dem Umfallen drohende Aschenbecher, da sind auch die Entspannung störende Dinge wie brennende Bettwäsche oder gar am anderen Ende des Zimmers liegende Feuerzeuge. Was, zugegeben, in der Dusche ebenso passieren könnte. Gegen verstreute Asche allerdings, und vor allem gegen die Angst davor, hilft Kiffen in der Dusche durchaus, auch liegend. Der Aschenbecher wäre hier, anders als im Bett, nicht mehr die ständig mit dem Kippen drohende Gefahr, die Kontrollinstanz über alle Bewegungen, geschaffen und hingestellt vom Menschen, dessen Bewegungen er, also der Aschenbecher, jetzt seinem Diktat unterwirft. Nein, die ganze Dusche wäre ein einziger Aschenbecher. Man könnte auf oder neben sich äschern oder wohin man wollte und würde nach vollendetem Joint die Asche einfach den Abfluss hinunterspülen. Außer er wäre verstopft, dann läge man in der Haare-Seife-Asche-Dreck-Lauge einer ganzen WG und würde sich ekeln. Ist der Abfluss jedoch frei: Ein Fest.
Doch mir kamen Zweifel, ich stellte mir unangenehme Auswirkungen der falschen Verwendung der Dusche vor, des Liegens oder gar Schlafens darin. Wirbelsäulendeformation! Nierenschäden! Blaue Flecken von herabstürzenden Shampooflaschen! Ich lasse mir aber grundsätzlich ungern von Shampooflaschen diktieren, wo ich zu liegen habe, und ersonn Gegenmittel. Technische Maßnahmen entfalteten sich in meinem Kopf, Dinge, die gegen schmerzhafte und gesundheitsschädliche Auswirkungen der eigenen Dummheit zu tun wären, kurz: ein Projekt zur Eindämmung körperlicher Langzeitschäden des In-Der-Dusche-Liegens. Es wäre ja zum Beispiel möglich nur ein wenig auf dem Rücken zu liegen, sodass der ganze Körper ein U mit dem Gesicht an den Knien bildete. Daraufhin könnte man sich umdrehen und auf dem Bauch liegen, um die Krümmung auszugleichen. Im weiteren Verlauf aber dachte ich dann, man würde sich dabei wohl etwas brechen, und außerdem hätte man Fliesen im Gesicht.
Technische Lösungen scheitern. Auch die Vorstellung, morgens von Duschen wollenden Mitbewohnern oder Mitbewohnerinnen geweckt zu werden, fand ich unangenehm. Sie entspricht nicht meiner Vorstellung eines guten Aufwachens. Man liegt da so schlafend in der Dusche herum, und plötzlich kommt jemand herein, um 7 Uhr 52 etwa, und sagt: „Guten Morgen, ich will duschen, steh auf!“ Reicht es nicht mit Kiffkater aufstehen zu müssen, wenn man selbst Duschen möchte oder muss? In unserem Fall müsste man ja aufstehen, weil jemand anders Duschen möchte oder muss. Und wenn man dann schon mal aufgestanden ist, kann man nicht mal selber duschen, weil die Dusche ja vom Mitbewohner besetzt ist, der einen aus dem Kiffschlaf geweckt hat. Allerdings, wer in der Dusche schläft, sollte einen Kiffkater haben, sonst hätte er oder sie ja vor dem Einschlafen nicht gekifft. Dann hätte das ganze in der Dusche Liegen keinerlei Vorteile gehabt, das mit der Asche und so, sondern wäre ausschließlich erniedrigend gewesen.
Kiffen macht high, Duschen macht sauber. Ich glaube nicht, dass das eine das andere ersetzen kann. Wenn man es aber so kombiniert, dass es scheiße ist, wird das große Unzufriedenheit hervorrufen. Und die soll ja am Anfang jeder Revolution stehen.


online seit 16.02.2015 23:37:58 (Printausgabe 69)
autorIn und feedback : Koni, Arthur




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