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  Mixtape von Alpha Tracks

Die defintive Selektion des Wiener Techno-Produzenten

Als im November letzten Jahres ein neuer Release von Morbid Records (Sublabel von Cheap, dem wichtigsten Wiener Techno-Label der 1990er) erschien, war das doch etwas überraschend. Das Artwork exakt wie vor 18 Jahren, der Sound rau, ravig und vor allem in jenen hohen Tempobereichen, die heutzutage selten angegangen werden. Hinter der Produktion steckt der seit einigen Jahren in Wien als DJ umtriebige Failix, der unter dem Produzentenalias Alpha Tracks mit wechselnden Mitspielern (u.a. Dominik Sottner, Mike Inzinger, Nino Stelzl) zusammenarbeitet. Eben sind auf Cheap zwei neue Maxis erschienen. In Kooperation mit Erdem Tunakam verfolgt Alpha Tracks hier konsequent klassische Ideen im Bereich elektronischer Dancemusic, die noch lange nicht völlig ausdekliniert sind. Düster, moody, treibend, die Klangästhetik zumeist im analogen Spektrum angesiedelt. MALMOE sprach mit dem Produzenten und DJ über seine Lieblingsplatten. Einzelne Nummern hervorzuheben, fällt dem Vinyl-Fan dabei schwer, denn bei den schwarzen Scheiben geht es bekannterweise meist um das Ganze.

Alpha Tracks on Discogs




Terrace – Straight Trippin’(Djax-Up-Beats 1991)

Das ist eine archetypische Platte für dieses holländische Label in seinen Anfangsjahren. Djax-Up steht für mich für die Europa-Amerika-Connection. Einerseits diese typische rohe, düstere europäische Rave-Ebene angereichert mit einer gewissen Chicago Ghetto-Trax Note. Unglaublich innovativ. Das Label selbst hatte auch immer eine experimentellere Seite, auf der sich viele Artists ausprobierten. Aber dank Label-Betreiberin Saskia Slegers blieb immer ein roter Faden erkennbar. Saskia war neben K-Hand Anfang der 1990er eine der wenigen präsenten Frauen in der Szene. Sie war gut darin, persönliche Kontakte mit den USA aufzubauen, und hat Djax-Up-Beats zu einer wichtigen Institution gemacht. Einer Institution, die nicht nur Musik veröffentlichte, sondern beispielsweise auch mit aufwendigst dekorierten Megatrucks auf der Love Parade aufmarschierte. Dazu noch Alan Oldhams Cover Design und die todschicken Merchandising Artikel. Djax-Up war einfach unglaublich vielschichtig und progressiv, verzichtete dabei aber auf intellektuelle Attitüden und lieferte Techno in Reinkultur.


Plastikman – Consumed (Novamute 1998)

Diese Platte ist ein Gesamtkunstwerk, von der Musik bis zum Artwork. Fast alles von Plastikman bis 2000 ist fantastisch. Definitiv eines der innovativsten Projekte innerhalb des Techno-Universums. Consumed hat darin aber noch einen besonderen Stellenwert für mich. Es gibt viele Ebenen seiner eigenen musikalischen Entwicklung, die auf diesem Album so wunderschön zusammenlaufen. Insbesondere was mit Raum passiert, wo dann z.B. plötzlich eine getweakte 303 aus dem Nirwana kommt. Das ist unglaubliches Sounddesign und auch der Groove, den diese Platte innehält, ist bemerkenswert und sehr speziell.


Aphex Twin – Analord Series 1–11(Rephlex 2005)

Über diese Platten spricht man viel zu selten, wenn es um Aphex Twin geht. Diese Serie imponiert mir allerdings am meisten. Sie deckt seinen gesamten musikalischen Werdegang ab und umfasst alle möglichen elektronischen Musikstile, versehen mit der gewissen Aphex Note. Von ambientösen Klangräumen bis hin zu härtestem Techno, Break Beats und was er sonst noch alles gemacht hat. Außerdem bin ich sehr beeindruckt davon, 11 Platten auf einen Schlag zu veröffentlichen, die alle großartig sind. Ich glaube, diese Nummern hat er über Jahrzehnte hinweg produziert und sich aufgespart.


Transllusion – L.I.F.E.(Rephlex 2002)

Meine Lieblingsplatte aus dem Drexciya-Universum. Sie hat zwar nicht mehr diese rohe Elektro-Schlagseite à la Wave Jumper bzw. der frühen Underground Resistance Sachen, dafür aber eine Musikalität, die ausgefeilter nicht sein könnte. Eine unglaubliche Platte mit so einem musikalischen Feingefühl. Die hat mich schon oft weggeblasen. Ich habe nie etwas Vergleichbares gehört. Drexciya wurde viel kopiert, aber an diese Platte hat sich bis heute niemand herangewagt.


Gerhard Potuznik – Florida Optical(Cheap 1994)

Die erste Potuznik auf Cheap. Das Label hat für mich als meine Brutstätte bzw. Familie natürlich einen ganz besonderen Stellenwert, allein deswegen muss von Cheap etwas dabei sein. Florida Optical ist für mich so wienerisch, irgendwie so dilettantisch, so humorvoll und dadurch so originell. Diese groovigen Hi-Hats, die schönen Flächen gemischt mit massiven Synth-Lines. Eine unglaublich spezielle Symbiose an verschiedenen Sounds. Kaum eine Platte fängt für mich den Wiener Techno Sound der 90er besser ein als diese. Außerdem spiele ich regelmäßig alle vier Nummern, oft in einem Set, sie hat also für mich auch außergewöhnliche DJ-Qualitäten.


ERRATUM:
Leider schleichen sich manchmal Fehler ein, die gar nicht als solche erkennbar sind. In der Printausgabe von MALMOE 77 finden sich an dieser Stelle zwei weitere Platten, die noch aus der Ausgabe 76 (Mixtape von Evren da Conceição) stammen. Dies wurde leider in der etwas hektischen Schlußproduktion übersehen. Wir möchten uns dafür bei Alpha Tracks und Evren da Conceição entschuldigen!

online seit 30.12.2016 13:21:15 (Printausgabe 77)
autorIn und feedback : Alpha Tracks




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