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  Abstraktes Storytelling

Klara Lewis’ dunkle Klangskulpturen

Ende 2013 bin ich über Soundcloud auf einige Stücke von Klara Lewis gestoßen. Ihr eigenwilliger Umgang mit Rhythmen und Field Recordings, das Treibende und Getriebene in ihren Kompositionen, all das hat mich sofort eingenommen. Mit diesen Tracks hat die schwedische Künstlerin wenige Monate später ihr Debut Album Ett (eins) auf dem legendären Wiener Experimental-Label Editions Mego vorgelegt. Nun steht nach viel internationalem Lob und einer Zwischenstation mit der EP Msuic auf dem Label Peder Mannerfelt ihr zweites Album Too (zwei) in den Plattenläden.

Klara Lewis kann ohne Wörter abstrakte Geschichten erzählen, aus Klängen Skulpturen modellieren. Auf Too setzt sie diesen Weg konsequent fort, verdichteter und konsistenter als bisher. Dabei ist die Platte nie verkopft, sondern stets körperlich, fast intim, eine warme wie auch schaurige Umarmung. Dark Ambient schielt wohlwollend Richtung Techno und entwickelt eine unheimliche Sogwirkung.

Perkussives Pulsieren und Soundwellen rollen an den Strand und ziehen sich wieder zurück. Vordergrund und Hintergrund oszillieren flimmernd. Basslines wummern gedämpft, wie hinter den verschlossenen Türen eines Technoclubs, verbinden sich mit gespenstisch verschwommenen Melodieflächen. Immer wieder stehen Tracks an der Schwelle zum tanzbaren, überschreiten sie aber nicht. Es bleibt ein sich Wiegen, gebrochen von Störgeräuschen. Wie in einem Haunted House ist das Grauen permanent präsent, tritt aber nie direkt in Erscheinung. Hypnotisierend verbinden sich Schmerzhaftes und Schönes, Bedrohliches und Beruhigendes. All das lässt den_die Hörer_in eintauchen in Lewis’ spezielle Welt, ins eigene Innere, sehr intim und zugleich auf Distanz bleibend.

Mit viel Fingerspitzengefühl dekonstruiert Lewis Field Recordings und Found Footage bis zur Unkenntlichkeit, verwebt organisches und artifizielles Material zu einer dreidimensionalen Textur. Sie besetzt dabei mit genialer Einfachheit den Möglichkeitsraum zwischen Geräusch und Musik. Viel zu schnell ist die Klangreise vorbei. Sie ist auf den Punkt, „­lagom“ eben.


Klara Lewis: „Too“ (LP/CD, Editions Mego 2016)

www.klaralewis.com

online seit 19.09.2016 12:09:13 (Printausgabe 75)
autorIn und feedback : roz




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