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Von wegen: Auch Spaß muss sein…

Hans Platzgumers Spaßkulturunternehmen Queen of Japan packt auf "Head Rush" neuerlich Hits der 70er und 80er in ein unterkühltes Elektro-Pop-Outfit. Ist das schlauer Camp? Karaoke für Fortgeschrittene? Oder doch nur ein kurzlebiger Partygag?

"Workaholic" wäre untertrieben, "Musicmaniac" trifft es schon eher. Ein Blick auf seine unter www.hansplatzgumer.de penibel aufgelistete Diskografie zeigt jedenfalls: Das Werk des Weltenbummlers aus Innsbruck ist längst umfassender als die durchschnittliche Tonträgersammlung von Herrn und Frau Österreicher. Nach knapp zehnjähriger Indie-Rock-Karriere hat der Computer in der zweiten Hälfte die Gitarre als bevorzugtes musikalisches Ausdrucksmittel abgelöst und zu Elektronik-Projekte unterschiedlichster Genre-Zugehörigkeit wie Shinto, Cube & Sphere oder Der Seperator geführt.

Während es dabei zuweilen schroff und heftig zur Sache geht, hat sich das 1998 gemeinsam mit Catriona Shaw und Albert Pöschl gegründete Trio Queen of Japan zuletzt als poppigstes von Platzgumers diversen musikalischen Unternehmungen erwiesen. Das Konzept ist simpel: Man nehme allgemein bekannte Popsongs aus den 70ern und 80ern, drehe sie durch den gefälligen Elektro-Pop-Wolf, versehe das Ganze mit einer gewissen Sleazyness und stelle es in trashigen Kostümen auf die Bühne.

Schlaue Fake-Identitäten

Mit Karaoke hat das Ganze erfreulich wenig zu tun; für diese alkoholgeschwängerte Mischung aus Emphase und einem mehr oder weniger bewussten Sich-lustig-machen über abgedroschene alte Hadern sind Queen of Japan eindeutig zu schlau. Koneko, Jo Ashito und Jason Arigato, wie die drei sich in ihrer Fake-Identität nennen, verzichten auch auf den semi-ironischen Zugang des "So schlecht, dass es schon wieder gut ist". Trotz der gelegentlich hörbaren Distanziertheit ihrer Interpretationen wirkt es doch so, als würden Queen of Japan all die gecoverten Stücke wirklich mögen.

Durch das Nebeneinander von Zeugs, das im pophistorischen Kanon durchaus als "wertvoll" gilt ("Cold Blooded" von Rick James oder "Seedy Films" von Soft Cell etwa), und vermeintlichem Trash von Abba, Right Said Fred, Duran Duran & Co heben sie die höchst unsympathische Hierarchie auf, die gemeinhin zwischen "objektiv gutem" Pop und jenen Sachen herrscht, die bestenfalls in der leidigen Kategorie der "peinlichen Lieblingslieder" vorkommen dürfen. Queen of Japan brauchen jedenfalls kein Stadium fortgeschrittener Trunkenheit, um "The Winner Takes It All" für einen der berührendsten Popsongs ever zu halten.

Die Halbwertszeit subkultureller Gags

Head Rush (Echokammer/Hoanzl/Trost) leidet als zweites Album der Band nur leider ganz eindeutig unter dem mangelnden Novelty-Effekt. Als Debüt wäre es ein unterhaltsamer und gelungener Partyspaß, als Nachfolger zu Nightlife in Tokyo erweckt es aber zuweilen den unbefriedigenden Eindruck der seriellen Fertigung. Und letztlich ist die Halbwertszeit dieser Coverversionen im Vergleich zu ihren Originalen doch relativ gering (von Glücksmomenten wie "I was made for loving you" einmal abgesehen, das kürzlich auch auf der herrlichen 2-many-dj’s-Mix-CD As Heard on Radio Soulwax Pt.2 verewigt wurde).

"Wickie, Slime & Paiper" ist in diesem Zusammenhang durchaus als warnendes Beispiel dafür, wie sich ein subkultureller Gag (das erste Buch des späteren Multimediaunternehmens wurde ja sogar im Rhiz präsentiert) in eine dümmliche Regressionsmaschinerie verwandeln kann. Davor sind Queen of Japan zwar ohnehin weitgehend gefeit; ob ihr Schmäh noch einmal richtig zünden kann, ist allerdings fraglich.

Wie es sich für den Musicmaniac Platzgumer gehört, hat er aber ohnehin schon ein neues Projekt am Start: Für das Duo mit seiner Queen-of-Japan-Partnerin liefert er gleichsam eigenwillige wie relaxte Elektroniksounds, während Shaw in ihrer distanzierten Coolness für den prägnanten Sprechgesang sorgt. Ihr als LP und Mini-CD erscheinendes Debüt Miss Me (Doxa/Ixthuluh) hat somit zwar vordergründig etwas weniger Hitpotenzial, jedenfalls aber mehr Zukunft als Queen of Japan.


Live: Hans Platzgumer feat. Catriona Shaw

14.08. Wien, B72
15.08. Graz, Park House
16.08. Feldkirch, Poolbar
30.08. Salzburg, ARGE Nonntal Sommerfest
31.08. Linz, Stadtwerkstatt


online seit 06.08.2002 16:51:51
autorIn und feedback : Gerhard Stöger


Links zum Artikel:
www.queenofjapan.net
www.platzgumer.net
www.doxa.de
www.echokammer.de/bands.html



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