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  Kieberei-Watch

Polizeipräsenz und -kontrollen steigen seit längerem vor allem an bestimmten Plätzen Wiens stark. Dahinter steht oft Rassismus. Was das im Konkreten heißt? Ein paar Beispiele aus dem Blog der Initiative „Kieberei, was geht?“

Mehr Infos dazu, was du machen kannst, wenn du kontrolliert wirst, und wie du andere unterstützen kannst, die kontrolliert werden, findest du auf unserem Blog: wasgeht.noblogs.org

Polizeischikanen beim Einkaufen am Praterstern

Am Freitag, 13. Jänner 2017 gegen 14.30 sah ich, wie sieben bis acht Kieberer drei Männer im Bahnhof Praterstern festhielten, ihre Papiere kontrollierten. Ich ging auf einen der drei zu und fragte, ob sie Unterstützung brauchen. Seine Dokumente waren schon kontrolliert worden, und er stand etwas am Rand. Er erzählte, dass sie gerade in einem Geschäft einkaufen gewesen waren, als die Kieberer sie festhielten und aus dem Geschäft zerrten. Einen Grund für diesen Überfall nannte die Polizei den drei Männern nicht. Die Kieberer beendeten die rassistische Kontrolle, nachdem sie die Dokumente der drei fertig überprüft hatten. Der Mann sagte noch, dass es ja in jedem Land solche und solche PolizistInnen gäbe, aber in Österreich sei es einfach eine rassistische Polizei.

Selbstjustiz

2. Dezember, U3 Station Stephansplatz. Ich komme zum Bahnsteig, dort steht ein älterer Mann, der ein Mädchen mit einer Art Würgegriff an die Wand gedrückt hält. Das Mädchen ist etwa 12 Jahre alt. Ich gehe instinktiv dazwischen, schreie ihn an, er soll sie sofort loslassen. Er schreit mich an, ich soll mich nicht einmischen – sonst holt er die Polizei. Es geht offenbar darum, dass sie angeblich eine Geldbörse einer ebenfalls anwesenden Frau gestohlen hat. Der Mann schreit mich weiter an, ich schreie zurück, er stellt sich drohend vor mich, kommt mir unangenehm nahe – sein Gesicht wenige Zentimeter vor meinem. Wenn er nicht seine linke Hand weiterhin am Hals des Mädchens hätte, würde ich ihn wegstoßen. Aber während er mit mir streitet, hält er sie weiterhin in festem Griff. Rundherum mischen sich zahllose Menschen ein – alle, um mir mitzuteilen, ich soll mich beruhigen. Sie hat ja etwas gestohlen, das passt schon, was hier passiert. Das Mädchen spricht kaum Deutsch. Sie kommuniziert mit der Frau, um deren Geldbörse es geht, offenbar einigen sie sich darauf, zur Polizei zu gehen. Der Tross zieht von dannen, der Mann hält den Arm des Mädchens in festem Griff. Ich bleibe zurück – umringt von drei Frauen, die mir weiterhin lautstark mitteilen, dass hier alles mit rechten Dingen zugegangen ist. „Wenn sie alt genug zum Stehlen ist, ist sie auch alt genug zum Festgehalten-Werden!“. Ich schimpfe weiter sinnlos herum, ich weiß, ich werde hier niemanden überzeugen. Ich frage mich, ob ich mitgehen hätte sollen. Erst in der U-Bahn fragt eine andere Frau nach, was passiert ist. Sie bedankt sich bei mir, dass ich mich eingemischt habe. Ich bedanke mich bei ihr, dass sie nachgefragt hat. Wir fürchten uns gemeinsam vor dem kommenden Wahlsonntag und einer Zukunft, in der selbsternannte Securities ihren großen Moment an Kindern ausleben und alle anderen nur zuschauen.

Polizei fährt Radlerin nieder

7. Juni 2016: Gestern radle ich bei der Josefstädter Straße vorbei, oben bei der Unterführung steht Polizei. Beim Näherkommen wird klar, dass es sich um ein Medien-Event handelt – der Polizeihund darf vor laufenden Kameras vorführen, was für tolle Kunststücke er kann. Gerade hat er zur allgemeinen Begeisterung den versteckten Tennisball ausgegraben. Gleichzeitig fährt ein Stück weiter unten ein Polizeiauto eine Radlerin nieder. Sie kommt durch die Unterführung bei der Pfeilgasse, schaut offenbar nicht nach rechts, weil von dort ja nie Autos kommen – bis auf das Polizeiauto, das sie seitlich voll erwischt. Rad ist komplett verbogen, sie liegt am Boden. Ein paar Minuten später wird dann auch die Rettung gerufen – sie hat sich offenbar den Arm gebrochen. Sicherheit und Hilfe, Ihre Wiener Polizei.

Spazieren im Prater

Spazieren im Prater, ein Frosch (Polizei-Fahrzeug, mit dem Festgenommene transportiert werden) und circa 7 Kiwara versperren den Weg hinterm Skaterpark. Ich frage: „Was ist los?“. Und an die zwei Personen, die festgehalten werden: „Braucht’s ihr Support?“. Die Kiwara sperren den Weg mit den Armen komplett ab. Das-geht-Sie-nichts-an-Privatsphäre-der-beamtshandelten-Personen-schützen-öffentliche-Sicherheit …
Auf einmal kommt der hinterste Kiwara von hinten drei vier energische Schritte auf mich zu, gesichtsnah, hebt die Hände auf Schulterhöhe, schubst fest. Ich wirbel um, Gesicht ins Gras, Pain in the Ass, Schmerz in der Nase. Fixiert Handschellen. Festgenommen. Nase blutet. Ambulanz. 3 Monate später Vernehmung. Anschuldigungen waren dann schwere Körperverletzung, Verleumdung und auch falsche Beweisaussage. Urteil – drei Monate auf drei Jahre. Auch mehrere Freund*innen hatten in letzter Zeit Verfahren wegen Interventionen bei Polizeikontrollen.

Rassistische Kontrolle am Westbahnhof

Am Donnerstag, den 22.12. um ca. 16.30 Uhr kreuzte ich den Westbahnhof entlang der Gleise. Kurz vor Anfang eines Gleises an einen Blumenkasten gelehnt, stand ein Junge, in etwa zwischen 15 und 18 Jahre alt. Eine Gruppe von circa sechs uniformierten Polizist_innen steuerte auf ihn zu und verlangte seinen Ausweis.
Ich beobachtete die Szene aus 3 Meter Abstand. Als die Polizisten mich sahen, grüßte mich einer der Polizisten laut. Ich hielt weiterhin Abstand. Sie hielten ihn etwa 10 Minuten fest, scherzten währenddessen miteinander. Ein Polizist fragte den Jungen, ob er schon mal mit der Polizei in Kontakt gekommen wäre. Der Junge verneinte dies durch ein Kopfschütteln, woraufhin der Polizist pädagogisch empfahl, dass es so bleiben solle.
Dann händigten sie dem Jungen seine Papiere wieder aus und steuerten auf mich zu. Ich fing an, meinen Weg zu gehen, woraufhin einer der Polizisten „Bis zum nächsten Mal“ brüllte. Ich fragte ihn, „ob er nichts Besseres zu tun hätte, als Kinder zu kontrollieren“. Er verneinte dies und verwies mich darauf, dass sie genau dazu den Auftrag hätten und dass ich doch seinen Einsatzleiter fragen solle und fügte stolz hinzu, dass sie (im Gegensatz zu mir) ja wenigstens dafür bezahlt würden. Ich konnte keinen Grund für die Kontrolle des am Gleis stehenden Jungen erkennen, außer Rassismus.

online seit 10.04.2017 16:57:04 (Printausgabe 78)
autorIn und feedback : Kieberei was geht




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