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  Ausbildungshindernis Studierende

Zur Plage der Abschaffung des Bachelor Internationale Entwicklung

An der Uni Wien wurde der Bachelor Internationale Entwicklung (IE) mit Wintersemester 2012 abgeschafft. Wie es dazu kam und warum das Problem der aktuellen Universitäten ihre Studierenden sind.

Ausbildung gegen Bildung

Eine recht coole Socke war er, der Bachelor IE: 2.000 Studierende, einzigartig, beliebt, großes politisches und wissenschaftliches Potenzial, stellte wesentliche Fragen. Seine Abschaffung schmerzt, war aber ein Schritt, zu dem die Rationalität des Bildungssystems kommen musste. Sie musste durchgesetzt werden, denn trotz STEOP, Voraussetzungsketten und Kommodifizierung von Bildung haben es viele Studierende der IE geschafft, nicht zur schweigenden Masse zu werden. Sie führten Gespräche, organisierten Demos, Workshops und Aktionstage, machten Pressearbeit, und besetzten, als das alles nichts half, Rektorat, Audimax und Ministerium. Hier trafen zwei Welten aufeinander: die kapitalistisch-rationale der Institutionen einerseits, andererseits die des Traums von einer freien Welt mit freier Bildung für alle. Ausbildung gegen Bildung.

Die Abschaffung des Bachelors IE selbst ist, ganz Management, selbstverständlich unpolitisch und, man hat „ja nichts gegen die IE“, auch nicht inhaltlich begründet. Aufgeklärte Wissenschaftler_innen nämlich sind immer ganz dem Anspruch der Objektivität der Wissenschaft verpflichtet. Insbesondere einer: der neoliberalen kapitalistischen Ökonomie. Denn objektiver hard fact ist: Die IE entstand als Studium für eine geringe Anzahl von Studierenden und hat sich in höchst unangenehmer Weise als so attraktiv erwiesen, dass nach zehn Jahren fast 3.000 Personen inskribiert waren. Was das kostet! Und: die Krise!

Gesperrt nicht für, sondern durch die Polizei

Auch der Senat, das Bollwerk der Demokratie an den österreichischen Universitäten, die Institution, deren Sitzungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit und gelegentlich unter Polizeischutz stattfinden, handelt ganz seiner repräsentativen Rolle entsprechend im Sinne der Verwertungsinstitution Universität, wenn er die Abschaffung mitträgt. Und diese Entscheidung muss dann, rechtsstaatsgewaltig gesprochen, durchgesetzt werden.

Zweimal an einem Tag also, als das Rektorat und Stunden später das Audimax besetzt waren, wurden die Subjekte der „uni-unwürdigen“ Proteste, die für sich selbst und Nachfolgende die Freiheit der Bildung nicht noch weiter einschränken lassen wollten, auf Geheiß des Rektorats polizeilich aus der eigenen Uni geräumt; Verwaltungsstrafen folgten frei Haus. Später am Tag patrouillierte Polizei am Campus und der Verfassungsschutz hörte bei mindestens einem Plenum mit. Die Tradition der universitären Autonomie, dass Unis lange aus guten Gründen polizeifrei waren, wurde hier aufgegeben, der Staat greift zu. Nach den Besetzungen war die Uni plötzlich nicht mehr für die Polizei, sondern durch die Polizei gesperrt. Über zwei Tage lang war sie No-Go-Area für Studierende, ein nachvollziehbarer Schritt des Rektorats, alternativlos, um den ungestörten Universitätsbetrieb garantieren zu können, natürlich. Und bestens geeignet, die Studierenden zu spalten.

Das Problem der Studierenden

Die Sachzwänge haben also sprechen lassen, und, so bedauerlich es ist, ein wichtiger, interessanter und kritischer Studiengang muss auf dem Altar der Verwertbarkeit ab und an geopfert werden. Das eigentliche Problem liegt eben nicht in der Logik, die zur Abschaffung des Bachelors IE geführt hat, die Verantwortung dafür nicht bei den Ausführenden. Das eigentliche Problem liegt in der Nichtanerkennung der Logik von Sachzwängen, im Aufzeigen von Alternativen zur Alternativlosigkeit, im Willen, Bildung und andere Lebensbereiche selbst zu bestimmen. Und einfach nicht einzusehen, dass das nun mal nicht geht. Dieser Wille wird getragen von denen, die für eine freiere Bildung kämpfen; von denen, die die Proteste auf die Straße getragen haben; von denen, die entgegen der Logik der Verwertbarkeit von Ausbildung im Sinne „der Wirtschaft“, des Standorts oder der Nation für freie Bildung für alle argumentieren.

Wie Uni in Zukunft aussieht, wird sich auch an ihnen entscheiden, denn für die aktuellen Universitäten sind sie das größte Problem: die Studierenden, die ihre Uni zu ihrer Uni machen wollen.

online seit 13.10.2012 09:58:15 (Printausgabe 60)
autorIn und feedback : Nikolai Schreiter




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