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Nachrichten aus dem beschädigten Alltag

Hauptsache weg damit

BRD-Innenminister Thomas de Maizière höchstpersönlich hat vor kurzem angeordnet, dass das Konterfei von Abdullah Öcalan künftig nicht mehr öffentlich gezeigt werden darf. Mit gleichem Erlass sind weitere 32 Symbole, die in Verbindung mit kurdischen Organisationen stehen, verboten worden – darunter zum Beispiel auch das Emblem der kurdisch-syrischen Volksverteidigungseinheiten, YPG, welche im Bündnis mit den USA momentan die Gegend um Rakka vom IS befreien.
Nach den Auftrittsverboten für türkische Politiker wird damit klar, was manche schon heimlich munkelten: Den Deutschen geht es nicht darum, dem faschistoiden Gebrabbel türkischer Amtsträger keine Bühne zu bieten, nein, sie mögen die Türken und alles, was aus der gleichen Ecke kommt, ganz einfach nicht.




Kriegstreiber wird Künstler

Wenn man vor zehn Jahren George W. Bush gefragt hätte, was er nach seiner Amtszeit zu tun gedenkt, wäre man von der Antwort, er habe vor, sich der Malerei zu widmen, sicherlich ein wenig überrascht gewesen. Doch tatsächlich ist das Pinseln Bushs große Leidenschaft geworden. Zum Frühwerk zählten Hundebilder und Portraits wichtiger Ex-Kolleg_innen: die Merkel, der Putin, der Berlusconi, der Dalai-Lama – alle waren sie für „Dubya“ scheinbar höchste Inspiration. Unter der Ägide Trumps tritt Bush nun in eine neue Schaffensphase ein. Neuerdings portraitiert er jene Ex-Soldaten, die seine Kriege nicht wohlbehalten überstanden haben. Mal fehlt ihnen ein Arm, mal ein Bein, mal der Lebensmut. Bush verewigt ihre Antlitze auf der Leinwand, bedacht darauf, die Stimmung schwermütig zu halten. Die Invaliden werden ihrem ehemaligen „Commander in Chief“ für diese sowohl kunst- als auch respektvolle Kondolenz herzlich danken.




Schmierfinken

Ein MALMOE-Redaktionsmitglied, das es aufgrund eines Abschlusses im entsprechenden Studienfach an der Universität Wien wissen muss, behauptete schon oft leicht ätzend: „Die Publizistik kannst du vergessen, absolutes Scheißinstitut, Studieninhalte zum Davonlaufen!“ Angesichts der neuesten Entwicklungen ist der Einschätzung geradeaus zuzustimmen. Bei der Reformierung des Studienplans werden mit der Mediengeschichte und der feministischen Medienwissenschaft die letzten Bereiche, die sich nicht vornehmlich an quantitativer Methodik, Public Relations oder Marktforschung orientieren, in die Irrelevanz gekürzt. Gleichzeitig hat man kein Problem damit, Personen zu beschäftigen, die ins rechtsextreme Spektrum verwickelt sind. Andrea Fehringer und Thomas Köpf arbeiten nicht nur für das antisemitische und völkische Schmierblatt Alles Roger!, sondern lehren auch am Wiener Publizistikinstitut im Bereich Printjournalismus.




Nachgeladen

Apropos Rechtsextreme: Deren Vorkommen an der Uni ist zwar nicht zu unterschätzen, doch sicherlich geringer als beim Militär und in dessen Umfeld. Sogenannte wehrpolitische Vereine haben dabei ein spezielles Verhältnis zum Bundesheer, inklusive toller Privilegien. Zum Beispiel dürfen sie Übungen am Kasernengelände abhalten oder militärische Transportmittel nutzen. Was diese Vereine noch alles dürfen, wird verschwiegen, ebenso was es genau für Wehrgruppen sind, die auf paramilitärische Miliz machen. Folgender Vorfall hat sich kürzlich in – Obacht! – Braunau zugetragen: Bei einem von einem wehrpolitischen Verein veranstalteten Schießwettbewerb nahmen laut Der Standard mehrere Angehörige der FPÖ-Jugendorganisation Ring Freiheitlicher Jugend (RFJ) teil, welche Verbindungen zu den „Identitären“ aufweisen. Nachdem herauskam, was für Leute am Kasernengelände herumballern, lenkte Verteidigungsminister Doskozil ein und versprach, transparenter zu machen, wer zu den „Partnervereinen“ gehört.




Ahoi!

Das südkoreanische Unternehmen Hanjin Shipping war mit über 140 Containerschiffern, Frachtern und Tankern bis vor kurzem eine der größten Reedereien der Welt. Jetzt ist Hanjin insolvent. Zuvor schipperten die Containerschiffe, Frachter und Tanker mehrere Wochen mit Waren in Milliardenwert auf den Weltmeeren umher, ohne irgendwo anlegen zu können. Denn einerseits wollte kein Hafen die Hanjin-Schiffe anlanden lassen, da nicht geklärt war, wer die Gebühren für Entladung, Lagerung usw. übernehmen würde. Andererseits untersagte das Unternehmen seinen Kapitänen das Anlegen, weil es fürchtete, die Schiffe würden beschlagnahmt (Hanjin hat fast 5 Milliarden US-Dollar Schulden), sobald sie sich nicht mehr auf offener See befänden. Erst als die Schiffscrews kurz vor dem Kollaps standen, wurde ein Deal mit den USA ausgehandelt, wo die Schiffe schließlich anlegen durften.




Sterbender Schwan

An jenem hoffentlich fernen Tage, an dem die Queen stirbt – einige werden sich noch an das resolute Persönchen aus dem Buckingham Palace erinnern, sie war auf dem Cover verschiedener Punkalben der 1970er –, wird die BBC augenblicklich ihr Fernsehprogramm unterbrechen und einen einsamen Schwan zeigen, der traurig am Ufer eines Teiches steht. Wir wissen dies, weil unter dem Titel Operation London Bridge Regierung und staatliche Medien regelmäßig minutiös den Monarchinnentod durchspielen, auf den sie seit bereits 65 Jahren warten müssen.




Heimat geht durch den Magen

Endlich eine Antwort der regierenden Parteien auf rechten Populismus, die nicht einfach rechte Politik umsetzt: „Was tun, damit die Landbevölkerung den rechten Populist_innen nicht weiter zum Opfer fällt?“, diese Gretchenfrage stellte sich unlängst die Konferenz der CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden. Ein Heimatministerium muss her! Und während solch ein Ressort bei AfD, FPÖ und Konsort_innen wohl die direkte Nachfolge von Innen-, Kultur- und Verteidigungsministerium antreten würde, ist es bei den Vordenker_innen der Union im Verbund mit Ernährung und Landwirtschaft zu finden: Weißwurstministerium und Hopfenkultur olé!




Embedded Journalism

Schon im Jänner klagten Betreiber_innen riesiger Hotels in Österreichs westlichen Tourismushochburgen über einen Mangel an Köch_innen. Den gewerkschaftlichen Hinweis, dass Saisonarbeit und die herrschenden Arbeitsverhältnisse in der Gastronomie samt kaum astronomischer Bezahlung vielleicht ein Grund dafür seien und es dementsprechend absurd wäre, Steuergelder einzusetzen, damit Tourismusbetriebe weiter wenig Geld für Personal ausgeben müssen, schmetterte man mit Ignoranz ab. Während damals steuergeldfinanzierte Hilfen zur Lösung des Arbeitskräftemangels noch verwehrt wurden, einigten sich nun AMS und Tourismusbranche auf Jobbörsen und Schnuppertage – denn wenn schon wenig Geld, Scheiß-Arbeitszeiten und Ausbeutung pur, dann könnte ja wenigstens die schöne Natur den einen oder die andere zur Saisonarbeit motivieren. Die Recherchereise für den betreffenden Artikel auf DerStandard.at erfolgte im Übrigen auf Einladung des Tourismus-Fachverbandes der Wirtschaftskammer, in dem naheliegend von Arbeitsbedingungen keine Rede ist.




Für All-e?

2012 berichtete MALMOE fast live von einem bahnbrechenden Projekt: mur.at schickte einen D.I.Y.-Satelliten in den Orbit, den mursat1. Nichts ist verschlossener und intransparenter, einzelnen staatlichen militärischen Akteuren mehr vorbehalten, als der Weltraum. Wie auch das Internet sind viele Dinge, die aus unserem heutigen Alltag kaum mehr wegzudenken sind, wie GPS, Gummi, Satelliten-Fernsehen oder die Wettervorhersage, als Nebenprodukte militärischer Forschung für den zivilen Rest der Gesellschaft abgefallen. Nur logisch, dass das All nun auch unter dem ambivalenten Begriff des NewSpace zum Entfaltungsgebiet privater jung-dynamischer Start-ups wird – im Gegensatz zum Grazer mursat1, bei dem es um öffentliche Räume, Mit- und Selbstbestimmung ging, geht es hier freilich um Kommerzialisierung. Auch im All nichts Neues und nur die Wahl zwischen Pest und Cholera – neoliberaler Durch-Kapitalisierung oder staatlich-militärischer Macht und Willkür.


online seit 25.04.2017 14:09:56 (Printausgabe 78)
autorIn und feedback : JE, FJ, STAR




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Chronologie des Grauens

Kein Sommerloch
[08.03.2017,Redaktion]


Die Schule – Ein Ort, wo man das Träumen verlernt

Lehrer_innen üben Schulkritik: Eine Diskussion über herrschende Verhältnisse, halbherzige Reformen und fehlenden Protest im Bildungsbereich
[08.03.2017,Moderation & Text: Rosa Costa]


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