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  Bike.Polo.Stadt. #6

Globales Wir, Turnier und Dosenbier

Eine freudige Erregtheit gepaart mit einem Schuss an Unrast und Lampenfieber hat das Team erfasst. Die Pony Asphalt Force spielt das erste Mal bei den österreichischen Bikepolo-Meisterschaften mit. Wenn alles klappt sogar mit zwei Teams. Zeit wird’s, sagen die einen, wetzen unruhig die Schläger und können es kaum erwarten. Hoffentlich ist‘s noch ein biss‘l hin, sagen die anderen, und denken: skillz, skillz, skillz, feilen, schleifen, hobeln. Eine schnelle rosa Kugel schiebt sich schließlich nicht von allein!

Auch wenn einige von uns schon ein wenig in die ÖHBPM (schaut nur kompliziert aus: ÖsterreichischeHardcourtBikePoloMeisterschaft), die es seit 2013 gibt, reingeschnuppert haben, wissen wir wenig über das, was uns erwartet. Das schürt natürlich freudige Erwartung auf das Neue! Ein interessanter Aspekt an Bikepolo ist die globale Regionalität, die ihm innewohnt. Obwohl der Sport eine über hundertjährige Tradition hat, wurde er erst mit dem Aufkommen schneller Informationstechnologie ab dem Ende der 1980er Jahre durch Fahrradkuriere weltweit populär (siehe dieser Kolumne erster Teil „Die Befreiung des Pferdes“, MALMOE 71). Bikepolo als global gespielte Sportart ist also einerseits verhältnismäßig jung und hatte andererseits schon in einem frühen Stadium seiner Spiel- und Regelentwicklung die Möglichkeit, sich global auszutauschen. In den USA wurde das Internet von Anfang an von den über das ganze Land verteilten BikepolospielerInnen als Austauschplattform genutzt.

Wir wollen uns nichts vormachen: Bikepolo war und ist eine Randsportart. Es braucht eine gewisse Portion an Begeisterung für's Radfahren und nochmal mindestens dieselbe Portion an Mut, um es einmal auszuprobieren (dann allerdings ist gefährlich hohes Suchtpotential garantiert). Ohne globale Community wären viele Teams nicht gegründet worden oder hätten nicht lange bestanden. So aber gibt es kleine Teams in hunderten Städten weltweit, oft nur eine Handvoll Begeisterte, die zwar gut vernetzt und informiert mit und über die größeren Ligen etwa in den USA oder Neuseeland sind, die aber aus den verschiedensten Gründen wie lokaler Architektur, Kultur oder Klima eigene regionale Spieltraditionen und Regeln haben. Die Cycle Polo Federation of India lässt zum Beispiel in manchen Regionen Indiens auf 150 Meter langen und 100 Meter breiten, kurzum: auf riesigen, Spielfeldern vier gegen vier SpielerInnen mit den seit Anfang 1900 verwendeten Holzschlägern spielen. In Istanbul gibt es wagemutige RadlerInnen, die seit etwa 2012 im Zentrum der Stadt im Stadtteil Sultanahmet Polo spielen – zwei gegen zwei in kleinen Basketballkäfigen. In Island und Schweden wird in Turnsälen mit Stoffbahnen auf den Reifen gespielt. Sogar feste Lehmböden in Kombination mit sehr runden Schlägerköpfen werden zum Beispiel in Malaysia und auf den Philippinen traditionell bespielt. Diese regionalen Unterschiede benötigen angepasste Regeln – es gibt eine Fülle an Varianten die mensch ausprobieren kann. Das Schöne daran ist, dass es zwar einige wenige global akzeptierte Regeln gibt und auch ein global akzeptiertes Regelwerk für Turniere und Meisterschaften (Regelwerk der International Bicycle Federation IBPF) – wie etwa Bodenkontakt des Körpers ist ein Foul – ansonsten aber sehr viel Raum für eigene Ideen und Versuche besteht. Auch die Pony Asphalt Force experimentiert gerne und passt die Regeln dem Platz an, auf dem sie spielt. Sich gemeinsam Regeln auszudenken, sie auszuprobieren und über Vor- und Nachteile zu diskutieren und sich dann auf einen gemeinsamen Rahmen zu einigen ist eine großartige Sache – nicht nur im Bikepolo. Regionale Unterschiede zu akzeptieren, an ihnen Spaß und Freude zu haben und sich gleichzeitig auf ein globales, großes, gemeinsames Ganzes einigen zu können, ohne riesige miteinander konkurrierende oder – noch schlimmer – monopolistische, nur mehr sehr schwer hinterfragbare Organisationen zu benötigen, ist ohnehin ein Weg, den wir als Menschheit beschreiten müssen, wenn wir Freiheit und Rechte auf diesem Planeten sichern und mehren wollen. Weniger kleinkariertes Nationalstaatendenken, mehr mutiges und lösungsorientiertes Miteinander – die Bikepolostruktur macht's vor!



online seit 08.03.2017 12:29:00 (Printausgabe 76)
autorIn und feedback : Stefan Breitwieser (PAF (Pony Asphalt Force)




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