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Kleine Vergleiche unter Freunden Peer-to-Peer-Netzwerke unter dem Druck vertraulicher Strafen und privater Ermittlungen Briefverkehr in Zeiten von P2P: eines Sommertages hält mensch statt einer Postkarte ein Anwaltsschreiben in der Hand, der Betreff „Illegale Verbreitung von Musik im Internet“. Im Zuge der gezielten Überprüfung von Filesharingsystemen sei festgestellt worden, dass Person xy am Stichtag z, Songs abc mittels Gnutella-Protokoll öffentlich zugänglich gemacht habe. Ein Eingriff ins Urheberrecht und damit ein Fall für Schadensersatz und andere zivilrechtliche Ansprüche, heißt es. Denn von Australien bis Schweden – Klagen gegen UserInnen von kaZaA, Limewire, eDonkey/eMule und anderen P2P-Netzwerken werden vom einmaligen Schauprozess zum Alltag. Außergerichtliche Abschreckung Der Internationale Verband der Musikindustrie spricht von Verfahren in 18 Ländern und allein 2006 von einer Klagewelle mit 2000 Fällen. In Österreich ist es etwa die LSG-Wahrnehmung von Leistungsschutzrechten GmbH, also die hiesige Dachorganisation des Musikwirtschaftsverbandes und der Interpretengesellschaft, die im Namen von §91 aktiv wird. In den USA verurteilte diesen Oktober erstmals ein Schwurgericht eine Frau zu $220.000 Strafzahlung an Sony BMG, Warner Bros. und Capitol Records; umgerechnet mehr als EUR 6.577 pro Song. Zu solchen Prozessen kam es bislang deshalb nicht, weil die beschuldigten Privatpersonen rechtliche und finanzielle Konsequenzen eines Zivilverfahrens fürchten. Anwaltsund Gerichtskosten drohen und bei Verurteilung noch wesentlich höhere Strafen. Die meisten nehmen daher das Angebot zum außergerichtlichen Vergleich an, der in Europa einen pauschalisierten Schadensersatz zwischen EUR 2.000 und EUR 4.000 umfasst, „Investigationskosten“ inklusive. Das wären bei 100 Alben im Upload-Ordner ca. drei Euro pro Song, oftmals zu zahlen binnen weniger Wochen. Weitere Klauseln solcher Deals: neben unverzüglichem, irreversiblem Löschen aller Files wird rechtsverbindlich ein weiteres Strafentgeld für den Fall eines neuerlichen Uploads festgelegt. Summen von bis zu EUR 200.000 pro Musiktitel, die selbst die jüngsten US-Maßstäbe weit übertreffen. Ingesamt ein Prozedere, das die oft jungen Betroffenen eingeschüchtert hinterlässt. „Darauf zielen sie ab,“ ist zu hören „Abschreckung, schnelle Abwicklung, schnell ein bisschen Geld.“ Verpflichtung zu vertraulicher Behandlung inbegriffen. Detektei und Datenschutz Vertraulich und privat ist auch der Weg der Ermittlungen dorthin. Denn um an die UserInnen-Daten zu gelangen, werden private Unternehmen beauftragt, sich sozusagen als „fake user“ in P2P-Netzwerke einzuloggen. Dort stehen grundsätzlich sämtliche relevanten Infos blank: individuelle IPAdresse, DNS-Name, Software-Version, geteilte Files und alle getätigten Abfragen. Mit der IPAdresse ist dann z.B. über regionale Internet Register und deren Online-WhoIs-Dienste unkompliziert Stadt, Land und der lokale Internet Service Provider herauszufinden. Etwa Chello Österreich samt Service-Line. Provider dürfen KundInnen- Infos nur nach einem strafgerichtlichen Vorverfahren mit begründetem Verdacht weitergeben. Die ARGE DATEN berichtete aber auch schon von abgekürzten Wegen. From Peer to Pressure Um Anonymität in der P2P-Sphäre schon vorab zu schützen und als Reaktion auf investigative „fake user“ machen längst entsprechende „IP-Blocker“ die Runde. Tools wie Peer Guardian und Proto- Wall verhindern den Kontakt des eigenen PCs mit als „unfreundlich“ gelisteten IP-Adressen, sprich bekannter Rechner von Privatermittlern und einschlägigen Institutionen. Auf die zunehmende Strafverfolgung wird das Publikum von kaZaA&co also nicht gleich mit Flucht reagieren, sondern einfach besser aufpassen. „Einfach“ heißt für die Mehrheit aber oft nicht besserer Schutz, sondern weniger Share: alle Lieder aus dem geteilten Ordner in einen anderen, privaten zu ziehen. „Kavaliersdelikt Download ja, kriminalisierter Upload nein“, so circa. Darin besteht der breitere Erfolg für die Verwertungsindustrie, denn diese Polarisierung killt das Prinzip Tausch – auch ohne eingeschriebenen Brief. online seit 21.12.2007 10:21:53 (Printausgabe 39) autorIn und feedback : Kal |
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Vermessene Leidenschaft Sex ist Kopfsache, sagt die Hirnforschung, und meint damit körperlich determiniert. Ein Gespräch mit einer feministischen Biologin zu einer schwedischen Studie, die Titelseiten stürmt. [21.08.2008,Interview: Katharina Ludwig ] Von PatientInnen und KonsumentInnen Google Health, Microsofts Health Vault und die „mass consumerization“ von Gesundheitsdaten. [07.08.2008,cp] Streifzug EM-Sicherheit-Nachlese [18.07.2008] die nächsten 3 Einträge ... |
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