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Kaffeehausliteratur

Arena 08: Subventionen verleihen Flügel


ARENA 08, das Fußballmagazin gemeinsam von der Tageszeitung „Die Presse" und mehreren Bundesländerzeitungen herausgegeben, ist sehr amüsant. Zum größten Teil unfreiwillig. So verrät ein Vorspann der Monatsbeilage: „Fußballer werden ausgepfiffen oder vergöttert. Andreas Ivanschitz findet sich in diesem Spannungsfeld gut zurecht. Er lebt in Athen zwischen Ehrfurcht der Fans und trautem Familienglück." Was soll das heißen? Wird Ivanschitz von den eigenen Panathinaikos-Fans ehrfürchtig ausgepfiffen? Oder schlimmer noch: im trauten Heim von Frau Anja und Sohn Ilia? Wenigstens ist Anja „eine tolle Frau und Mutter". Arena 08 geht an den Genderdiskurs sehr, naja unverkrampft heran. Eine prominente Frauenjury wählt ihre Lieblingsfußballer und darf sich dafür über das Kompliment freuen, dass „wenigstens einige" wissen, was Abseits bedeutet. Im Porträt von Roland Linz erfährt man auf ganzen zwei Seiten einzig, dass die wichtigste Person in seinem Leben die Mutter ist. Spielerfrauen werden kreativ beschrieben: Alena Seredova („Topmodel"), Anni Vastic („bildhübsch"), Sylvie van der Vaart („Model") sowie Beatrice Trezeguet („bildhübsch"). Am wichtigsten sind bei der Geschichte aber ohnehin die Fotos.

ARENA 08 versteht Text in erster Linie als etwas, das die leeren Flecken zwischen den bunten Bildern und Grafiken füllen muss. Zwar hat sich die eine oder andere interessante Geschichte hineingeschmuggelt, aber die Leitlinie lautet getreu dem österreichischen Fußball: keine Experimente. So fallen auch die Interviews der bisher drei erschienenen Ausgaben aus. Franz Beckenbauer wird in die Enge getrieben wie selten zuvor („Wie gefällt dem Kaiser die Residenzstadt Salzburg?" – „Sehr gut") und revanchiert sich mit beinharter Kritik am Euro-Veranstalter („Die Österreicher brauchen nur ganz normal zu sein. Dazu brauchen sie ein wenig Glück.") Sepp Blatter plaudert aus dem Nähkästchen („Fußball ist eine soziokulturelle Bewegung") und Günter Netzer verrät ein Geheimnis („Jeder kann mitreden").

Beim Blättern auffällig: So ein hübsches buntes Blatt besteht normalerweise zu einem guten Drittel aus ebenso bunten Anzeigen. Dieses aber nicht. Und das dürfte auch einen Grund haben, wie das Fußballmagazin „ballesterer" recherchiert hat. Rund eine Million Euro hat das Bundeskanzleramt ihm zufolge für die Produktion von Arena 08 gezahlt. Positive Stimmung für den Sport soll erzeugt werden, lautet das Ziel der Politik. Wäre das im Falle von Curling oder Kunstradfahren vielleicht noch nachvollziehbar, ist das bei Fußball bizarr. Genauso gut könnte man in Grinzing Anfängerkurse in Weintrinken subventionieren. Exzessive Anzeigen hat Arena 08 jedenfalls so gar nicht nötig. Die es dennoch gibt, sind dafür umso peinlicher. In den halblustigen Cartoons aller Ausgaben gelang es dem Künstler, die Marke „Red Bull" zu integrieren. Wer weiß, wie beliebt die Salzburger Dosen unter Fußballfans sind, weiß auch den Stellenwert des Magazins einzuschätzen. Doch keine Flügel, eine lahme Sache.




online seit 13.05.2008 11:50:14 (Printausgabe 41)
autorIn und feedback : wiesel




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