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  Gestörtes Störendes #3

Teil des ­Problems

Ich bin Teil des Problems. Sosehr ich mich auch für eine gerechtere Gesellschaft einsetze in meinen kleinen alltäglichen Handlungen, „die“ Gesellschaft bleibt dieselbe. Sie bleibt eine von Ungleichheiten, Ausgrenzungen, Eingrenzungen, Schichtungen und Ähnlichem geprägte. Aus dieser Position komme ich nicht raus, sosehr ich mich gegen Adornos Diktum der Unmöglichkeit eines richtigen Lebens im falschen sträube. Wenn ich nun „humanistisch“ oder „links“ usw. mich verorte: stellt das dann eine Kränkung dar? Ich will ein guter Mensch sein, der sein Leben lebt ohne anderen zu schaden oder gar so, dass andere etwas davon haben, indem ich mich politisch engagiere, kritische Wissenschaft betreibe, im Sozialbereich arbeite etc. Wenn ich mir jedoch das Gesamtbild vor Augen führe, sehe ich – das geht nicht! Ich bin Teil einer Gesellschaft, die auf „verkehrten“ Fundamenten gebaut ist. Im Drogenhilfebereich zum Beispiel wird der Zustand der Hilfesuchenden den Drogen, der Sucht, ihrer Persönlichkeits- oder sonstigen Störung zugeschrieben. Dass Illegalisierung, Stigmatisierung oder Ausgrenzung daran wesentlichen Anteil haben, wird abgewehrt. So ist es mir möglich, mein aktives und praktisches Mitwirken an der konkreten Drogenpolitik zu verdrängen: Ich stricke mit an den fein säuberlichen Grenzen zwischen gesund und krank, Helfer_in und Patient_in und an der Unsichtbarmachung der Bedingungen des Drogenelends. Ich fokussiere meine Aufmerksamkeit auf das Positive, das ich tun kann und rechtfertige die gesellschaftlichen und institutionellen Grenzen mit Krankheitskonzepten. Das große Elend der Welt, eben das „falsche Ganze“, stellt sich mir als übermächtig dar, sodass mir nur das Wirken im Kleinen bleibt. Ich kaufe Bio, Fair Trade, habe Ökostrom oder fahre Rad. Meine Arbeitskraft muss ich trotzdem verkaufen, aber zumindest in einem Bereich, bei dem ich mich noch in den Spiegel schauen kann. Aber dieser Spiegel ist eine Falle. Es geht um mich, um meinen ökologischen Fußabdruck, mein Karma, mein Image, meinen Beitrag. Mit diesem „Political-Correctness-Schein“ vergleiche ich mich ständig mit den anderen: „wie machen die es – ah, da bin ich besser, oh je da schneide ich schlechter ab“ und so weiter. Diese Individualitätsfalle gilt es zu zerbrechen, weg von der Pflege der „Marke Ich“ und stattdessen in den Blick zu nehmen, wie durch die kapitalistischen Bedingungen individualistische und „pseudopolitische“ Verhaltensweisen nahegelegt werden.


online seit 24.01.2018 09:02:16 (Printausgabe 80)
autorIn und feedback : Daniel Sanin




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