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  Turnstunde – Nachrichten vom Sportplatz

Götter in Weiß

Und schon wieder ist was passiert. Einmal im Jahr tanze ich in der Ambulanz an, diesmal sogar mit Rettung. Im Schneckentempo durch Wien, jeder kleine Hüpfer schmerzt höllisch. Wie ich es hasse, dieses Kopfsteinpflaster. Die Schulter ist raus aus der Gelenkspfanne, die Elendige! Der junge Samariter im Rettungswagen kann mich nur kurzfristig beruhigen, drei Mitspielerinnen haben es zuvor auch schon mit mehr oder weniger Erfolg versucht. Aber dann, die Erlösung: Kaum mit dem Rollstuhl vor Schmerz in mich zusammengesunken in die Ambulanz geschoben, legt Er die Hand auf meine Schulter und sagt mit rühriger Stimme „Ja was hat sie denn, die junge Dame?“ Er, ein grauhaariger, weißer, älterer Mann mit grauem Bart und im weißen Kittel, in sich ruhend und erfahren wirkend, ein Gott in Weiß, hat genau die Wirkung auf mich, die ich gern nicht hätte: Vor lauter Vertrauen in diese Autorität nimmt der Schmerz plötzlich ab und ich fühle mich in guten Händen – wäre mein Arzt Ärztin gewesen, 30 Jahre jünger und hätte grüne Haare gehabt, ich muss es zugeben und es ist beschämend, dann hätte die Beruhigung wohl nicht funktioniert. Warum nur, warum, reagiert man selbst in Momenten, wo das Hirn aufgrund enormer Ablenkung, Schmerz zum Beispiel, nicht wirklich nachdenkt, nur so reaktionär? Wie auch immer wurde ich beim Kontrollbesuch ein paar Tage später in demselben Wiener Krankenhaus wieder einmal belehrt, warum es so notwendig und wichtig und richtig ist, eben jene Machtverhältnisse zu hinterfragen, die manch eine/n als Autorität und besser, gescheiter und kompetenter erscheinen lassen, als andere.

Es stellte sich nämlich heraus, dass eben jener Göttervater nichts Besseres zu tun hat als Kommentare über mein Aussehen zu machen, wie anders ich doch aussähe im Vergleich zu unserem letzten Date (als ich wohlgemerkt verschwitzt und im Fußballdress, dreckig, in der Ambulanz landete – ein Outfit bei dem es naheliegt, dass es nicht der täglichen Garderobe entspricht), meine engen T-Shirts zu loben, mittels derer ich meinen Arm doch wunderbar an meiner Brust stabilisieren könnte, mich schräg anzusehen um dann doch wieder über mein Äußeres zu lamentieren. War ich nicht eigentlich gekommen um über meine Schulter zu sprechen? Durch und durch unangenehm – und dies alles Kraft jener Autorität und Privilegien, aufgrund derer ich mich ein paar Tage zuvor noch so sicher und geborgen gefühlt hatte.


online seit 08.03.2017 14:12:06 (Printausgabe 77)
autorIn und feedback : star




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