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In Script Postkartenliteratur Immer noch nicht weiß er, warum ist er hier, am zweiten Tag einer Reise, die er angetreten ist nur, weil er nicht mehr wusste, was dort er tun sollte, wo sonst immer er ist. Vor ihm die Karte an sie, er beginnt zu schreiben - Liebe Sie! Wir können es uns auf Dauer ja nicht aussuchen, also bin ich hier, und warum ich hier bin weiß ich nicht ich weiß nur dass Du fehlst und dass es nicht Du bist die mir fehlt ich sehe so schwarz wenn alles am Hellsten ist und das hilft mir nicht weiter und Dir nicht dabei mich zu verstehen wenn Du mich überhaupt jemals hättest verstehen wollen was ich nicht weiß ich weiß nichts von alldem was treibt uns was treibt Dich treibt mich was warum ich hierher gefahren bin ohne Dich warum Du nicht mitgefahren bist das Geld? Es kann doch nicht nur wegen des Geldes gewesen sein es war doch nie wegen des Geldes gewesen vielleicht suchst Du - sucht sie - was sucht sie und was suche ich was ist das Neue das sie sucht und warum kann ich nicht das Neue sein welches sind die Begehrlichkeiten jenseits von mir von ihm die Du suchst die sie sucht oder ist das alles nur Einbildung aber was waren unsere Möglichkeiten was unsere Fehler welche die gemeinsamen welche Deine welche ihre welche meine welche also seine welche hier und welche da in welcher bewussten Situation und in wie vielen unbewussten Situationen und wie hätten wir dann agieren sollen reagieren können denn da waren intime Momente Du weißt ich weiß sie weiß er weiß alle wissen intime Momente von denen niemals mehr geredet wird als dem größten Tabu darüber dieser Schmerz was nie mehr gesagt werden darf die Belastung dann die fehlende Leichtigkeit und war da jemals Leichtigkeit wenn nicht was war stattdessen und wie nennen wir dann was es ist wie es ist wo es ist wo ist es im Kopf? im Herzen? Er blickt auf die Leere vor sich. Steht auf, geht auf den Balkon. Die Sonne scheint, die Spatzen lärmen drunten im Hof. Das Hotel ist übrigens sehr schön. Das Essen ausgezeichnet, kochen können sie in Italien ja. Gestern noch ausgeruht und nur ein wenig durch die Stadt spaziert, werde ich heute ein Auto mieten und an den See fahren, vielleicht auch weiter nach Umbrien. Ein wenig hineinlugen. Kirchen ansehen. Auf Plätzen lungern, die Du so magst. Morgen weiß ich noch nicht. Es ist übrigens sehr schade, dass du nicht mitgekommen bist. Den letzten Satz hält er fest, nimmt die Postkarte, geht hinunter, reicht sie dem Portier. Alles, alles ist nur noch Vorwurf, will ihm scheinen, aber er fühlt sich unfähig zugleich, daran irgendetwas zu ändern. (für Smilla, Sept. 2003) online seit 17.01.2007 17:59:37 (Printausgabe 35) autorIn und feedback : Thomas König |
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Das ist mein Text Eigentum im Zeitalter digitaler Reproduzierbarkeit [02.09.2008,Sabine Nuss] Die Geburt der Hundehütte Archäologien des hundlichen Blicks [05.08.2008,Fahim Amir] Partielle Irritationen Wie politisch ist der Kampf um Freiräume? [31.07.2008,Brigitte Bargetz, Gundula Ludwig] die nächsten 3 Einträge ... |
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